St. Gertrudisbote

75. Jahrgang

Dezember 2020

 

 

Vor dem Fest

 

Vor dem Fest lasst uns die Lieder von Christi Geburt mit frohem Herzen anstimmen; denn er, der dem Vater wesensgleich ist und dem Heiligen Geist, erbarmt sich in Huld, nimmt einen Leib aus Erde an. Er soll in der Stadt Bethlehem geboren werden. Hirten und Engel werden seine wunderbare Geburt besingen. Lasst uns zur Zimbel helle Lieder singen! Der Heroldsruf der Propheten verstummt, die Erscheinung Christi leuchtet herauf. Der, dessen Ankunft unter den Sterblichen sie verkünden, der wird in der heiligen Höhle geboren und liegt als Kind in der Krippe.

 

Bethlehem, rüste dich, Eden tu‘ dich auf, Land Juda, schmücke dich! Die Himmel sollen sich freuen, jubeln die Menschen, denn das Leben selber liegt in der Krippe, der Reiche in der Grotte, er ist gekommen, durch die Fülle seines Erbarmens der Anmut Adonais wieder aufzuhelfen, ohne sich zu ändern oder zu vermischen.

 

Zu dir erwache ich in der Frühe: Aus Erbarmen hast du dich um des gefallenen Menschen willen entäußert und Knechtsgestalt angenommen aus der Jungfrau, Wort Gottes, gib mir den Frieden, du Freund der Menschen.

 

Bethlehem, komm und bereite alles für die Geburt. Josef, geh und schreib dich ein mit Maria. Du verehrungswürdige Krippe, ihr Windeln, die ihr Gott tragt, in euch ist das Leben eingehüllt, das einmal die Bande des Todes sprengen wird; mit euch umhüllt der die Sterblichen mit der Unsterblichkeit, er, Christus unser Gott.

 

(Hymnus der Ostkirche, zweite Lesung der Matutin vom 24. Dezember)

 

 

Aus unserer Chronik:

 

Im vorigen Gertrudis-Boten berichteten wir Ihnen von unserem Umzug. Ende August, am 20.8., feierten wir Mutter Bernardas Namenstag nun zum ersten Mal unter den neuen Gegebenheiten. Das ehemalige große Sprechzimmer ist zu unserem Rekreations-Raum geworden, in dem auch Klavier und Bücher ihren Platz gefunden haben. Hier also gratulierten wir unserer Äbtissin am Vorabend und wünschten ihr Kraft und Zuversicht für den Neustart. Bezugnehmend auf Mutter Bernardas Wahlspruch formulierte Schwester Teresa am Ende ihrer kleinen Ansprache: „Ich wünsche uns allen, dass wir mit großem Vertrauen auf die Wirkmächtigkeit des Heiligen Geistes in unsere gemeinsame Zukunft gehen – und ich bitte Sie, liebe Mutter Bernarda, uns auf diesem Wege des Vertrauens, des Hoffens und des Glaubens weiterhin mit großer Entschiedenheit voranzugehen!“ Tags darauf trafen wir uns dann nachmittags zum Eis-Essen im Refektorium; größere Aktivitäten ließen die hochsommerlichen Temperaturen noch nicht zu!

 

Eine zweifache Premiere stellte die Jahresversammlung unseres Herz-Jesu-Hilfsvereins am 20. September dar. Für die Betreiber des Parkwohnstiftes Tettenweis war es die erste Veranstaltung in ihren Räumlichkeiten, und für unseren Verein war es die erste Jahresversammlung nach dem Umzug. Auf entsprechend großes Interesse stieß der Termin: Wir konnten 31 Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen, so viele wie schon lange nicht mehr! Hätte die Corona-Pandemie nicht alles etwas behindert, wären es u.U. sogar noch mehr geworden. So aber mussten wir die Anmeldungen vorab registrieren, Formulare ausfüllen lassen und für den gebuchten Raum die Obergrenze von Personen ermitteln und einhalten. Das ließen alle, die kamen, geduldig über sich ergehen. Belohnt wurden sie mit dem Zugang zu einem stilvoll ausgestatteten und liebevoll herbstlich dekorierten Festsaal (= unser ehemaliges Refektorium). Hier begrüßte Mutter Bernarda alle Gäste recht herzlich, bevor Schwester Teresa den Rechenschaftsbericht vortrug. Anschließend ergriff noch einmal unsere Äbtissin das Wort und entfaltete Gedanken nach einem Vers aus Psalm 16: „Auf schönem Land fiel mir mein Anteil zu. / Ja, mein Erbe gefällt mir gut“ (Ps 16,6). Im Hauptteil kam dann Herr Helmut Schaitl zu Wort, der Geschäftsführer des Tettenweiser Park-wohnstiftes. Er hatte sich dankenswerter Weise den Sonntagnachmittag für uns Zeit genommen und stellte gerne die Geschichte des Parkwohnstiftes Arnstorf dar, über die Anfänge mit der Übernahme des Arnstorfer Kranken-hauses durch die Hans Lindner Stiftung bis hin zum Tettenweiser „Ableger“!

 

Nach Beantwortung interessierter Fragen durften sich dann alle über ausgezeichneten Kaffee und Kuchen freuen, der von der Küchen-Chefin und ihrem Kollegen höchstpersönlich serviert wurde! Der lebhafte Austausch, der dabei entstand, wäre sicher noch länger weiter gegangen, wenn es dann nicht Zeit geworden wäre für die Führungen. Der großen Teilnehmerzahl wegen teilten sich Herr Schaitl und Schwester Teresa diese Aufgabe und ließen unsere Gäste nicht nur einen Blick ins Kloster-Café einen Stock tiefer werfen, sondern auch in das Probewohn-Appartement und auf die Außen-Anlagen, die noch in Bau sind. Den Bereich „Kloster“ konnte man gut von außen erklären, den werdenden Gäste-Garten ebenso. Und die Appartement-Häuser dort, wo früher Gewächs-Haus, Bienenhaus und Komposthaufen ihren Platz hatten, machten auch so Eindruck. Das strahlend schöne Spätsommer-Wetter kam uns sehr zugute. Und so verabschiedeten sich auch die, die schon vor der Vesper wieder fahren mussten, sichtlich zufrieden. Eine größere Zahl von Gästen nahm dann im Presbyterium Platz, wo Stühle in ausreichendem Abstand aufgestellt waren. Wir Schwestern saßen in der Winterkirche (ehem. Gästechor), sodass wir Blickkontakt hatten, und auch akustisch ging das überraschend gut. Also konnten wir abends dankbar auf eine rundum gelungene Veranstaltung zurückblicken!

 

In der zweiten September-Hälfte war Pater Augustinus außer Haus, um einer Schwestern-Gemeinschaft in Berlin Exerzitien zu halten. So machte sich Pfarrer i.R. Msgr. Georg Holzschuh aus Forchheim auf den Weg zu uns, um unseren Spiritual zu vertreten. Er hat das schon öfter getan und kennt sich also gut in unseren „Sitten und Gebräuchen“ aus. Auch an dieser Stelle nochmals ganz herzlichen Dank für seinen priesterlichen Dienst an unserer Gemeinschaft – wir wissen das sehr zu schätzen!

 

Am 26.9. jährte sich die Profeß-Ablegung von Mutter Bernarda und Schwester Bonaventura zum fünfzigsten Mal! Beide wollen ihr Gold-Jubiläum so richtig erst im kommenden Frühjahr feiern, in der Hoffnung, dass dann auch die Mitfeier von Gästen wieder leichter möglich ist als unter den aktuellen Corona-Bedingungen. Aber ganz unberücksichtigt sollte der festliche Anlass natürlich nicht bleiben. Eine großzügige Blumenspende sorgte für farbenfrohen Schmuck in der Kirche. Die Küche tat auch ihr Bestes. Und tags darauf, am Sonntag, fanden wir uns nachmittags zusammen, um gemeinsam Teile des Te Deum auf uns wirken zu lassen. Dieses gerne als Ambrosianischer Hymnus bezeichnete Urgestein kirchlicher Liturgie ist ursprünglich als gregorianischer Choral vertont worden, wurde später dann aber auch von Komponisten wie Marc-Antoine Charpentier und Anton Bruckner aufgegriffen und zu Werken vertont, die Weltruhm erlangten. Schlussendlich ist aus dem Präludium der Fassung von Charpentier die Eurovisions-Hymne hervorgegangen! Uns ging es in dieser Feierstunde freilich in erster Linie um den Text, um die inhaltliche Aussage. Man kann das Te Deum in vier Abschnitte gliedern: 1. Die Schöpfung huldigt Gott, 2. Die Kirche preist den dreifaltigen Gott, 3. Lobpreis Jesu Christi und 4. Bitten. Wir haben uns in der gemeinsamen Betrachtung auf den ersten und den letzten Teil beschränkt. Im 11. Kapitel seiner Regel sieht Benedikt den Hymnus in der Sonntagsvigil noch vor der Verlesung des Evangeliums vor. In jüngerer Zeit – und so ist es auch bei uns üblich – wird er nach dem Evangelium gesungen. Das betrifft also die Vorabende von Sonn- und Feiertagen. Rechnen wir solche etwa 60 im Jahr, dann sind Mutter Bernarda und Schwester Bonaventura seit ihrer Profess schon auf 3.000 Te Deum gekommen! Nun, Gott lässt sich keine solchen Berechnungen präsentieren, aber natürlich wünschen wir unseren beiden Jubilarinnen, dass alles, was in diesen 50 Jahren im Dienst des HERRN von ihnen dargebracht wurde und mit Seiner Hilfe gewachsen ist, reiche Frucht trägt! Wenn Alter und Krankheit den Weg der Gottsuche bisweilen auch beschwerlich machen, so soll es doch nie an der Gewissheit fehlen, dass die Richtung stimmt und alles seinen Wert hat, was nur aus Liebe zu Gott getan und getragen wird.

 

Erst zwei Tage vor dem Jubiläum hatten wir die Sommerkirche beziehen können (= Hauptschiff der Klosterkirche). Am Chorgestühl war bis zuletzt noch fleißig gearbeitet worden, an der Aufarbeitung der Oberflächen und am Umbau der Kniebänke. Alles, was dann noch fehlte, waren die neuen Deckenlampen, die eine enorm lange Lieferzeit hatten. Für das mangelhafte Licht wurden wir aber mehr als entschädigt mit der hervorragenden Akustik, die den Gesang auch von Wenigen zu einem regelrechten Klangwunder werden lässt! Man meint nur den Mund öffnen zu müssen, und schon ist der Raum mit Choral gefüllt: eine sehr erhebende Erfahrung!

 

So konnte dann auch am letzten Sonntag im September zum ersten Mal ein Parkwohnstift-Bewohner an der Heiligen Messe teilnehmen – mit gebührendem Abstand und von Pater Augustinus zu Beginn der Predigt charmant wahrgenommen mit „Liebe Schwestern, lieber Bruder!“.

 

Nach einer langen, Corona-bedingten Pause tagte der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Orden im Bistum Passau erstmals wieder am 6. Oktober. Dazu fuhren Schwester Veronika und Pater Augustinus zu den Maristen nach Passau, die über hinreichend große Räumlichkeiten verfügen.

 

Aus denselben Gründen hatten wir lange mit den samstäglichen Schriftgesprächen unter der Leitung von Pater Augustinus pausiert, wollten damit aber am 10.10. wieder beginnen. Wenige Tage zuvor musste unser Spiritual uns allerdings telefonisch mitteilen, dass er vom Gesundheitsamt einen Anruf erhalten habe: Er müsse sich sofort in Quarantäne begeben, d.h. den Pfarrhof für vierzehn Tage nicht mehr verlassen! Denn er hatte bei einem pastoralen Einsatz unwissentlich Kontakt zu einer infizierten Person. Das war nun eine unangenehme Überraschung, und wir spürten gleichsam die „Front“ an uns heranrücken, so dicht, wie noch nie! Gottlob fühlte sich Pater Augustinus gut. Aber die Ungewissheit blieb lange bestehen, denn der erste Test misslang. Erst der zweite brachte das erhoffte negative Ergebnis. Zu allem Überfluss war inzwischen auch eine von uns in den Fokus gerückt und galt als „Verdachts-Person“. Sie wurde ebenfalls getestet, und erhielt – Gott sei Dank – das gleiche negative Ergebnis. Und so wagten wir es dann mit vierzehntägiger Verspätung, die Reihe der Schriftgespräche wieder auf-zunehmen.

 

Das Fest der Kirchweihe konnten wir am 15.10. zum ersten Mal nach drei Jahren wieder in der Kirche selbst feiern! Noch ist die Übertragung der Gottesdienste zu den Kranken nicht möglich – komplizierte Technik weiß das zu verhindern – aber alle anderen können sich zum Gebet dort versammeln, wo vor 71 Jahren die Weihe dieses Gebäudes an das Heiligste Herz Jesu vollzogen wurde.

 

Unsere Jahres-Exerzitien halten wir gewöhnlich im Februar oder März. Und da gute Exerzitien-Meister oft weit im Voraus ausgebucht sind, muss man sich entsprechend früh um einen Termin bemühen. Da aber unser Umzug so schwer abzuschätzen war, wagten wir es nicht, für den Anfang dieses Jahres zu planen und legten uns auf den 9. – 13. November fest.

 

 

Liebe Angehörige, liebe Vereinsmitglieder, Wohltäter und Freunde unserer Abtei, liebe Schwestern und Brüder,

 

„Wir sagen euch an den lieben Advent, machet dem Herrn den Weg bereit“ (GL 223,1). Wir verbinden gern mit dem Advent etwas Romantik und heile Welt. Die Lesungen vom 1. Adventssonntag stehen dazu in starkem Kontrast. „Schwer lastet die Gewalt der Schuld auf uns“ (Jes. 63,6). Alles ist irgendwie ermüdet und erschöpft. „Niemand ruft deinen Namen an, und keiner rafft sich auf, um sich an Dir festzuhalten“ (V 6). Die Parallelen zu unserer derzeitigen Situation sind offensichtlich. Viele vermissen nichts, wenn kein Weihnachtsgottesdienst stattfinden kann. – Hören wir nicht auf, Gott zu suchen, auch stellvertretend für alle, die nicht nach Ihm fragen.

 

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen einen gesegneten Advent und eine tiefe Begegnung mit dem menschgewordenen Gott.

 

Ihnen allen ein herzliches Vergelt´s Gott für das vergangene Jahr

 

Mit dankbaren herzlichen Grüßen,

 

Ihre

(Äbtissin)