Gertrudis-Bote September 2023

 

 

„DER GEIST DES HERRN ERFÜLLT
DEN ERDKREIS“ (Weish 1,7)

(Vortrag im Rahmen der Oblatentage Anfang Juni
von unserem Spiritual Pater Dr. Augustinus Weber OSB
gekürzte Fassung)


1    Die schiefen Wände des Lehrhauses
1.1 Die Erzählung
In Osteuropa stand früher einmal eine Synagoge, die für ihr krummes Ge-mäuer bekannt war. Die Wände waren schief, und dennoch hatte das Ge-bäude Bestand. Man erzählte sich auch eine Geschichte, wie es dazu gekommen war:
Im Lehrhaus war, wie nicht selten, über eine Gesetzesfrage Streit entstan-den. Rabbi Elieser hatte die schwächeren Argumente und unterlag bei der abschließenden Abstimmung. Doch, starrsinnig wie er war, ließ er nicht davon ab, für seine Meinung zu kämpfen, und nahm zu Wundern seine Zuflucht. Eines der Wunder, das er zustande brachte, bestand darin, dass die Wände des Lehrhauses sich in die Schiefe neigten, um zu bezeugen, dass er im Recht sei. Doch da schrie Rabbi Jehoschua, der beim Disput gesiegt hatte, die Wände an:
    “Wenn Schüler der Weisen miteinander um das Gesetz ringen, was hat das mit euch zu tun?” Da neigten sich die Wände nicht weiter, wegen der Ehre Rabbi Jehoschuas. Sie richteten sich aber auch nicht wieder auf, wegen der Ehre Rabbi Eliesers. Und so stehen sie schief da bis zum heutigen Tag.
(Vgl. Seckler, Die schiefen Wände, S. 206)
1.2 Reflexionen
   1.2.1 Unterschiedliche Weisen von Geist
Soweit diese Geschichte. Warum erzähle ich sie am Beginn meines Vor-trags? Zunächst, weil sie mir Ausdruck von Geist zu sein scheint. Rabbi Elieser und Rabbi Jehoschua sind von einem je unterschiedlichen Geist be-seelt und ringen miteinander. Auch andere Rabbinen sind dabei und geben ihr Votum ab, doch das stiftet noch keinen Frieden. Rabbi Elieser sucht die Entscheidung auf einer höheren Ebene und wirkt Wunder. Wie von einer un-sichtbaren Hand bewegt neigen sich die Wände des Lehrhauses, fast könnte man meinen, dass eine „Geisterstunde“ angebrochen sei. Doch dann zeigt sich bei der Intervention des Rabbi Jehoschua, dass hinter dieser Bewegung ein hörender und verständiger Geist steht. Denn die Wände bleiben auf halbem Weg stehen, sie schützen die Ehre der Minderheit, geben aber auch der Mehrheit ihr Recht. Offenkundig ist da ein guter Geist am Werk, ja am Ende war es vielleicht gar der göttliche Geist, der diesen Streit geschlichtet hat. So begegnet uns in dieser kleinen Erzählung „Geist“ in ganz ver-schiedener Weise: menschlicher Geist und göttlicher Geist, ja vielleicht war auch ein Bisschen Ungeist mit im Spiel, als Rabbi Elieser so lange gar nicht nachgeben wollte.

   1.2.2 Legitime Meinungsverschiedenheiten
Noch aus einem zweiten Grund erzähle ich diese Geschichte: Sie macht uns bewusst, dass man in Glaubensfragen verschiedener Meinung sein kann.
Zwar gibt es da auch eine Mehrheitsentscheidung, aber diese bringt noch keine definitive Klärung. Vielmehr bleibt neben ihr eine abweichende Minderheitsmeinung bestehen,    die ihr Recht behält. Als glaubende Men-schen müssen wir damit leben, dass es zu vielen Fragen unterschiedliche Meinungen gibt.

   1.2.3 Die „verhüllte Rede“ in der Bibel
Und damit bin ich bei einem dritten Grund, warum ich diese Erzählung so mag: Sie macht uns auf eine Wesenseigentümlichkeit der Heiligen Schrift aufmerksam, auf ihre Unschärfe. Der Streit zwischen den Rabbinen drehte sich ja um die Auslegung des Gesetzes, also der Heiligen Schrift. Und schon die Tatsache dieses Streites zeigt, dass in der Schrift nicht einfach alles klar ist. Es gibt offenbar viele Stellen, die unterschiedliche Auslegungen zu-lassen. Jesus selbst spricht in den Abschiedsreden von der „verhüllten Rede“, mit der er zu den Jüngern gesprochen hat:
    Dies habe ich in verhüllter Rede zu euch gesagt.
Die offene Rede kündigt er ihnen erst für die Zukunft an:
    Es kommt die Stunde,
    in der ich nicht mehr in verhüllter Rede zu euch spreche,
        sondern euch offen den Vater verkünden werde (Joh 16,25).
Jesus hat in Bildern und Gleichnissen zu den Menschen gesprochen, und das ist in der ganzen Heiligen Schrift so. Diese Bildhaftigkeit ‒ oder wie man auch sagen könnte ‒ „Unschärfe“ der biblischen Rede muss einen Grund haben. Ich denke, der Grund liegt in der Wirklichkeit, von der die Heilige Schrift spricht:    in der Wirklichkeit Gottes. Gott ist uns nicht unmittelbar und direkt zugänglich. Wir können uns ihm am ehesten in Bildern und Gleich-nissen nähern. Hier müssen gerade wir Menschen des digitalen Zeitalters umdenken: Die Sprache der Bibel ist nicht digital, sodass Sprache und Wirk-lichkeit im Verhältnis von 1 : 1 stehen würden. Die Sprache der Bibel ist vielmehr analog, sie basiert auf Ähnlichkeitsbeziehungen, freilich derart ‒ wie das IV. Laterankonzil 1215 festgehalten hat ‒, dass die Unähnlichkeit immer größer ist als die Ähnlichkeit. Und damit sind wir auch beim Heiligen Geist. Denn was für die Gottesrede der Bibel im Ganzen gilt, gilt für ihn in gesteigerter Weise. Der Heilige Geist ist unter den drei göttlichen Personen diejenige, die unserem menschlichen Denken und Erkennen am wenigsten zugänglich ist. Den Vater können wir uns zumindest als Schöpfer der Welt vorstellen. Der Sohn ist uns in menschlicher Gestalt begegnet. Den Heiligen Geist aber kennen wir nur aus seinen Wirkungen und aus Symbolen, die von ihm sprechen. Nicht ohne Grund nennt man ihn manchmal den „unbe-kannten Gott“ oder den „verborgenen Gott“.

2 Das Wort ‚Geist‘ in verschiedenen Sprachen
   2.1 Ein Versuch der Übersetzung
Die Schwierigkeit beginnt bereits mit der Sprache. Unser deutsches Wort ‚Heiliger Geist‘ ist der Versuch, das lateinische Wort spiritus sanctus wiederzugeben. Diese Übersetzung geht auf die angelsächsischen Mönche zurück, die unseren Vorfahren das Evangelium gebracht haben. Diese Wiedergabe stand damals in Konkurrenz zu einem Vorschlag der irischen Missionare, die von einem „Heiligen Hauch“ sprechen wollten. Wie wir noch sehen werden, war das kein schlechter Gedanke. Das lateinische Wort spiritus sanctus wiederum geht auf das griechische pneuma hagion zurück und dieses wiederum steht für das hebräische ruach. Wenn wir genauer hin-schauen, bemerken wir zwischen den vier Sprachen bedeutsame Unter-schiede. Im Deutschen setzen wir vor ‚Heiliger Geist‘ meist den Artikel, sodass es heißt: ‚der Heilige Geist‘. Wir denken dabei unmittelbar an die dritte göttliche Person. Die lateinische Sprache dagegen kennt überhaupt keinen Artikel. Die griechische und die hebräische Sprache kennen ihn zwar, doch stehen pneuma oder ruach zumeist ohne Artikel. Z. B. lautet das Wort des Engels an Maria bei der Verkündigung nicht:
    Der Heilige Geist wird über dich kommen,
    und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten (Lk 1,35),
    wie die Einheitsübersetzung sagt. Korrekt übersetzt müsste es vielmehr heißen:
    Heiliger Geist wird über dich kommen,
    und Kraft des Höchsten wird dich überschatten.
Das klingt nach meinem Empfinden schon anders, verweist mehr auf eine Eigenschaft, die Maria verliehen wird, weniger auf die direkte Einwohnung einer göttlichen Person. Es gibt aber noch einen Unterschied zwischen den Sprachen: Im Deutschen und Lateinischen ist Heiliger Geist männlichen Ge-schlechts, das griechische pneuma hagion ist sächlich, und hebräische ruach ist weiblich. Auch darin also liegt der Heilige Geist quer zu unseren Vor-stellungen und durchkreuzt sie: Er ist offenbar weiblich, sächlich und männ-lich zugleich, oder auch: Er ist jenseits dieser Unterscheidungen. Wie das IV. Laterankonzil gesagt hat: Die Unähnlichkeit ist immer größer als die Ähnlichkeit.

   2.2 Ruach
Gehen wir nun einen Schritt weiter und werfen wir einen Blick auf das hebr. Wort ruach. Es kommt im Alten Testament 378-mal vor und bedeutet ‚Hauch‘, ‚Atem‘, ‚Luft‘, ‚Wind‘, ‚Seele‘. Ganz entsprechend ist die Be-deutung des griech. pneuma und des lat. spiritus. Wenn wir genauer hin-schauen können wir beim Wort ruach drei Bedeutungsgruppen ausmachen:
•    Wind‘, ‚Windstoß‘;
•    ‚die Lebenskraft‘, ‚das Lebensprinzip‘ im Menschen (der Atem)‘,
        ‚der Sitz der Erkenntnis und des Gemütes‘;
•    und schließlich ‚die Lebenskraft Gottes, durch die er handelt und handeln lässt auf der körperlichen wie auf der ‚geistigen‘ Ebene‘.
Es ist also ein breit gespanntes Bedeutungsfeld. Und doch können wir da eine gemeinsame Grundbedeutung heraushören: Die ruach ist das, was in Bewegung setzt. Vom Wind über die Lebenskraft des Menschen bis zur Le-benskraft Gottes: Immer sind sie selbst Bewegung und der Ursprung von Bewegung.  Wenn es sich dabei um die ruach Gottes handelt, so beseelt und treibt sie zum Handeln an, um Gottes Plan zu verwirklichen. In solchen Zusammenhängen ist schon im Alten Testament gelegentlich von einer heiligen ruach die Rede. Etwa in dem Bußpsalm 51, in dem David bittet:
    Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
    und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! (V. 13)

3 Das Wirken des Hauches JHWHs
   3.1 Bei Richtern und Königen
Im Lauf der Geschichte des Alten Bundes zeigt sich eine Entwicklung und Veränderung in den Erfahrungen von Gottes Geist. In der Richterzeit haftet dem Kommen von Gottes Geist etwas Ekstatisches an. So kündigt Samuel dem jungen Saul an:
    Du wirst du eine Schar von Propheten treffen …
    Sie selbst sind in prophetischer Verzückung.
    Dann wird Geist des Herrn über dich kommen,
    und du wirst wie sie in Verzückung geraten
        und in einen anderen Menschen verwandelt werden (1 Sam 10,5-6).
So geschah es immer wieder in der Richterzeit. Der Geist kam plötzlich über einen Auserwählten    und trieb ihn zu einem bestimmten Handeln an. Es waren die sog. Richter, charismatische Rettergestalten in Zeiten äußerer Be-drängnis: Gideon etwa, Jiftach oder Simson. Der letzte von ihnen war Saul, der zugleich der erste der Könige war. Doch mit der Einführung des König-tums hörte dieses plötzliche Gepacktwerden durch den Geist Gottes auf. Saul wird noch das eine oder andere Mal von ihm ergriffen (1 Sam 10,6-13; 11,6). Als aber Samuel den jungen David zum künftigen König salbt, heißt es im biblischen Bericht:
    Und Geist des Herrn war über David von diesem Tag an (1 Sam 16,13).
An die Stelle des plötzlichen Kommens tritt das dauerhafte Bleiben des Geistes. Zumindest wird ein solches erhofft. Und da manche der Könige sich nicht als Geistträger erweisen,    verlagert sich die Erwartung auf einen künftigen Heilskönig. So in der bekannten Weissagung Jesajas:
    Aus dem Baumstumpf Isais wächst ein Reis hervor,
    ein junger Trieb aus seinen Wurzeln bringt Frucht.
Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm:
Geist der Weisheit und der Einsicht,
Geist des Rates und der Stärke,
Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht (11,1 f.).
Geist des Herrn wird also auf Dauer auf diesem Nachkommen Davids ruhen.

   3.2 Propheten
Gleichwohl gab es auch nach dem Ende der Richterzeit ein unerwartbares und plötzliches Kommen des Geistes. Dieses begegnet uns in der Gestalt der Prophetie. Eindrucksvoll berichtet etwa der Prophet Ezechiel von seiner Berufungsvision, bei der er die „Herrlichkeit des Herrn“ sah (Ez 1). Dabei vernimmt er die Stimme Gottes:
    Stell dich auf deine Füße, Menschensohn; ich will mit dir reden.
Und dann berichtet der Prophet:
    Als er das zu mir sagte, kam Geist (pneuma - Geistwind) in mich
        und stellte mich auf die Füße.
    Und ich hörte den, der mit mir redete (2,1-2).
Später schildert Ezechiel auch,    wie der Geist ihm eingibt, was er sagen soll:
    Da überfiel mich Geist des Herrn,
    und er sagte zu mir: Sag: So spricht der Herr (11,5).
Was wir an diesem Beispiel sehen, gilt nach jüdischer und christlicher Über-zeugung von allen Propheten. Im Credo bekennen wir vom Heiligen Geist, dass er gesprochen hat durch die Propheten.


4 Der Geist im Neuen Testament
   4.1 Bei Jesus
Machen wir nun noch einen Schritt ins Neue Testament, in dem vieles von dem, was im Alten Testament vorbereitet und verheißen wurde, in Erfüllung geht. Insbesondere wird der Geistträger gesandt, der mit dem Geist Gesalbte,
der die Erwartungen endlich einlöst, die schon mit dem Königtum Davids verbunden waren. Die Evangelien zeigen uns Jesus als den, auf dem der Geist Gottes ruht. Schon seine Entstehung im Mutterleib geht auf das Wir-ken des Geistes zurück. Auf die Frage Marias:
    „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“,
antwortet ihr der Engel:
    „Heiliger Geist wird über dich kommen,
    und Kraft des Höchsten wird dich überschatten;
    darum wird auch das Heilige, das geboren wird,
        Gottes Sohn genannt werden“ (Lk 1,34 f.).
Am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu steht seine Taufe durch Johannes den Täufer. Wie viele aus dem Volk nahm auch Jesus an der Bußtaufe zur Umkehr am Jordan an. Dabei kündigte Johannes einen kommenden Stärkeren an (Lk 3,16):
    „Ich taufe euch nur mit Wasser.
    Es kommt aber einer, der stärker ist als ich,
    und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren.    
    Er wird euch mit heiligem Geist und mit Feuer taufen“.
Unter den Hörern dieser Worte befand sich auch Jesus. Der Evangelist Lukas schildert seine Taufe so:
    „21 Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen.
    Und während er betete, öffnete sich der Himmel, 
    22 und der heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab,
    und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
    Du bist mein geliebter Sohn,
    an dir habe ich Gefallen gefunden“ (3,21).
Der Geist, den Jesus bei seiner Taufe empfangen hat, erweist sich sogleich als wirksam. Hören wir noch einmal Lukas:
„Jesus aber, voll heiligen Geistes, verließ die Jordangegend.
Darauf wurde er vierzig Tage lang im Geist in der Wüste umhergeführt,  
und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt“ (4,1-2).
Wir können hier durchaus an die Richter der Alten Zeit zurückdenken, die vom Geist ergriffen und geführt wurden,    um siegreich die Feinde des Volkes zu überwinden. So hat auch Jesus schon am Beginn seines Wirkens einen Kampf zu bestehen. Am Beginn seines öffentlichen Auftretens aber beruft er sich ausdrücklich auf heiligen Geist. Denn bei seiner Predigt in Nazareth zitiert er den Propheten Jesaja und wendet das Wort auf sich an:
    „Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt.
    Er hat mich gesandt …“ (4,18).
Das Evangelium zeigt uns Jesus als den verheißenen Geistträger, der in der Kraft des Geistes handelt und das Volk befreit. Was einst die Richter und Könige der Alten Zeit in einer vorläufigen Weise vollbracht haben, geschieht durch ihn in Fülle.



Aus unserer Chronik:

Am vierten Sonntag der Osterzeit, der auch Guter-Hirte-Sonntag ge-nannt wird, findet jeweils der Weltgebetstag für geistliche Berufe statt. Die zentrale Veranstaltung unseres Bistums wurde aus diesem Anlass am 30. April in Regen ausgerichtet und stand unter dem Leitwort „Den Ruf Gottes hören“. Schwester Veronika konnte teilnehmen und war beeindruckt von der schönen Gestaltung, der ausgezeichneten Organisation und der zahlreichen Beteiligung, nicht nur von Ordensleuten und kirchlichen Mitarbeitern, sondern auch von Pfarrangehörigen.
        Schwester Paula hatte von 2. bis 4. Mai einmal mehr die Gelegenheit, an einer Fortbildung der Stiftung Juliusspital in Würzburg teilzunehmen. Diesmal ging es vor allem um die aktuelle Entwicklung im Gesundheits-wesen, um Traumatherapie und um Krisenintervention.
        Wie in der Osterzeit üblich fand wieder ein Klosterarbeiten-Kurs in Niederaltaich statt. Schwester Bonaventura freute sich, von 8. bis 10.5. daran teilnehmen zu können. Das Herzbild wurde fertig gemacht (noch vier Blumen für die Ecken gefertigt und montiert) und für die Herzogspital-madonna das Kleid und verschiedene kunstvoll gewickelte Blumen.
        Die Arbeitsgemeinschaft der Orden in unserem Bistum (AGOP) lud am 19.5. zu einem Ausflug nach Engelszell ein. Etwa eine halbe Stunde Donau-abwärts schon in Österreich gelegen, findet sich dort das letzte Trappisten-Kloster im deutschsprachigen Raum. Was bei der Planung noch nicht be-kannt war: Der Orden muss die Niederlassung schließen; die letzten vier Mönche werden sich vermutlich in Kürze auf andere Klöster verteilen. So wurde der Besuch der ca. 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am dies-jährigen Ordenstag gleichsam zu einem Abschiedsbesuch. Die Führung von Pater Christian fand großen Anklang. Höhepunkt war die gemeinsam mit den Mönchen gesungene Mittagshore. Anschließend ging es weiter per Bus nach Freinberg, um oberhalb von Passau im Café Blaas einzukehren, das eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt bietet – von der Spezialität Palat-schinken in allen Varianten ganz zu schweigen! Das eher kleine Programm bot umso mehr Gelegenheiten zum Gespräch unter den Teilnehmenden, unter denen von uns Schwester Veronika und Schwester Paula mit dabei waren, und nicht zuletzt unser Spiritual Pater Augustinus.

        Mutter Bernarda unterzog sich am 24.5. einer ersten Staroperation, gefolgt von der zweiten am 14.6. Beide Eingriffe brachten den gewünschten Erfolg. Deo gratias!

        Die Gemeinde Tettenweis verlieh Herrn Altbürgermeister Alois Bach-meier am 25.5. die Ehrenbürgerwürde. Beim Festakt im großen Saal des Bürgerhauses wurde unsere Gemeinschaft von Schwester Teresa vertreten. Wie so viele sind auch wir sehr dankbar für die Zeit eines guten, vertrauens-vollen Miteinanders!

        Am Samstag vor Pfingsten lud das Parkwohnstift zu einer Maiandacht in unsere Sommerkirche ein. Der Großteil des Arnstorfer Männergesang-vereins war anwesend und brachte die verschiedensten Marienlieder sehr einfühlsam zu Gehör. Pfarrer i.R. Herböck, selbst Parkwohnstift-Bewohner, stand der Feier vor, an der neben anderen Bewohnern auch wir teilnehmen konnten, gemeinsam mit Ehepaar Lindner sen., das es sich nicht hatte nehmen lassen, dafür von Arnstorf nach Tettenweis zu kommen.
        Nach einer Umbau- und Corona-bedingten Pause von immerhin fünf Jahren, fanden von 2. bis 5. Juni wieder einmal Oblatentage bei uns statt. Im Nachklang zum Pfingstfest hatte Schwester Veronika die inhaltliche Ar-beit unter das Leitwort „Komm, Heil‘ger Geist, der Leben schafft“ (GL 342,1) gestellt. Am Sonntagnachmittag trafen sich Konvent und Gäste zu einer geselligen Kaffeerunde, und wir freuten uns alle miteinander an diesem Austausch, auf den wir so lange hatte verzichten müssen.

        In den frühen Morgenstunden des Fronleichnamsfestes stürzte Pater Augustinus derart unglücklich, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Nach einem erfolgreichen Eingriff konnte unser Spiritual am 26.6. wieder zu uns heimkehren. Pfarrer Josef Tiefenböck, den Maristen aus Fürstenzell und allen Ruhestandsgeistlichen, die gerne ausgeholfen haben, sind wir sehr dankbar. Denn sie ermöglichten uns durchgehend die tägliche Feier der Heiligen Messe.

        In unserem Bistum fand in diesem Jahr bereits zum achten Mal die sog. Maria-Hilf-Woche statt. Im Rahmen dieser Tage Ende Juni, Anfang Juli waren am vorletzten Tag, am 30.6., alle Ordensjubilare zu Pontifikalmesse am Vormittag und Orgelandacht am frühen Nachmittag eingeladen. In ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder der AGOP wirkten Pater Augustinus und Schwester Veronika an dem Tag in Passau mit.

        Am dritten Sonntag im Juli findet jedes Jahr die Wallfahrt der Malteser nach Altötting statt. Einer guten alten Tradition folgend wurden drei Schwestern unserer Gemeinschaft zur Mitfahrt eingeladen. Schwester Maria und Schwester Paula nahmen die Einladung gerne an und wurden am Morgen des 16.7. abgeholt. In Altötting angekommen ging es in Prozession vom Dultplatz zur Basilika St. Anna, wo Abt Dr. Johannes Eckert OSB (St. Bonifaz, München) den Gottesdienst leitete. Den behinderten Teil-nehmerinnen und Teilnehmern wurden Rollstühle zur Verfügung gestellt. Die Betreuung durch die Ehrenamtlichen war hervorragend, und so erlebten alle einen wunderschönen Tag.

        Am 18.7. vollendete unsere Schwester Bonaventura ihr 85. Lebensjahr.
Sie konnte viele Gratulantinnen begrüßen und mit ihnen schöne Stunden im Kloster-Café verbringen. Zu ihrer großen Freude reisten auch liebe Ange-hörige aus Hamburg an, um mit ihr zu feiern.

        Im Parkwohnstift in Arnstorf ist es seit vielen Jahren Tradition, jedes Jahr ein Sommerfest zu feiern. Nun soll das auch hier in Tettenweis Brauch werden, und so waren alle Bewohner und auch wir Schwester eingeladen zu einem kleinen Fest vor und im „Stadl“ am 22.7. Bei angenehmen Tempera-turen füllten sich die Plätze rasch und es wurde ein kurzweiliger Nachmittag mit musikalischer Begleitung durch die Tettenweiser Martinsbläser und Ein-lagen einer Ortenburger Tanzgruppe und nicht zuletzt einer Gruppe von Kindern der Tagesstätte.


    Liebe Angehörige, liebe Vereinsmitglieder, Wohltäterinnen und Freunde unserer Abtei, liebe Schwestern und Brüder,
es ist Sommerzeit und Urlaubszeit. Viele können nicht in Urlaub fahren und doch gibt es Möglichkeiten, bei sich im eigenen Innern Urlaub zu machen. Alfred Delp hat uns einen dazu passenden Text hinterlassen:
“In uns strömen die Quellen des Heiles und der Heilung. Gott ist als ein Brunnen in uns, zu dem wir zu Gast und Einkehr geladen sind. Diese inneren Quellen müssen wir finden und immer wieder strömen lassen in das Land unseres Lebens. Dann wird keine Wüste. „Ich will euch erquicken“ (Mt 11,29). … Von innen her wird uns die Kraft und die geistige Sicherheit und Überlegenheit kommen. … Wenn wir die inneren Quellen nicht finden, helfen uns keine Anspannungen und keine äußere Ruhe. Wo aber der Geist Gottes den Menschen anrührt … ist immer etwas von der heiligen Stille … und der erholsamen Ruhe der Gottesnähe in ihm.“
Ich wünsche Ihnen eine Zeit der Ruhe und die Erfahrung des Brunnens in Ihnen.
Mit dankbaren Grüßen,
Ihre
 M. Bernarda Schmidt OSB
(Äbtissin)