St. Gertrudisbote

75. Jahrgang

März 2020

 

Liebe Leserinnen und Leser unseres St. Gertrudis-Boten!

 

Sie sind uns vielfach schon seit Jahren in Treue verbunden und begleiten uns mit Ihrem Interesse, Ihrem Wohlwollen und Ihrem Gebet. Sie wissen, dass wir eine Gemeinschaft von Benediktinerinnen sind, und dass also das Gotteslob, die gepflegte Liturgie bei uns einen sehr hohen Stellenwert hat. Wenn Sie schon einmal bei uns waren, dann ist Ihnen auch nicht entgangen, dass wir noch den lateinischen Choral pflegen. Diese altehrwürdige Form der Kirchenmusik bzw. des A-cappella-Gesangs ist in Pfarrgemeinden in der Regel nicht mehr anzutreffen. Entsprechend gering sind die Kenntnisse darüber. Wir bedauern das, handelt es sich doch um einen Schatz der christ-lichen Tradition, den es u.E. zu wahren gilt. Das kann aber nur gelingen, wenn man ihn wertschätzt, und das wiederum setzt das Wissen um seinen Gehalt und seinen Reichtum voraus. Ein profunder Kenner des Chorals ist Frater Gregor Baumhof OSB, der das Haus der Gregorianik in München gegründet hat. Er war wiederholt unser geschätzter Gast. Ihm verdanken wir den nachfolgenden Beitrag, in dem er uns anhand einer Buchmalerei die inspirierte „Tonwerdung“ des Wortes Gottes im Gregorianischen Gesang augenscheinlich werden lässt.

 

Der Gregorianische Choral - eine gesungene Ikone

 

(ein Beitrag von Frater Gregor Baumhof OSB)

 

Nachdem der Gregorianische Choral durch die nachkonziliare Dynamik fast vollständig aus der offiziellen Liturgie verschwand, hauptsächlich wohl wegen des Lateins, trat er in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ganz neu ins Rampenlicht, wesentlich befördert durch den Musikmarkt, vor allem auf dem Medium der CD. Dort war z.B. in einem Booklet zu lesen: „Unsere Edition „Klangwelt der Klöster“ dokumentiert auf acht CDs ver-schiedene liturgische Formen und unterschiedliche Gesangsstile einzelner Klöster. Von dieser frühen Kirchenmusik geht eine Faszination aus, der man sich auch Jahre nach dem Kirchenaustritt nicht entziehen kann!“ Dieses Rampenlicht hat sich auf der Suche nach immer Neuem inzwischen auf andere Stile gerichtet. Diese Bewegung von außen hat aber doch das Interesse vieler Menschen an ihren spirituellen Wurzeln wieder geweckt und sie auch zu der ältesten Form der gesungenen Meditation zurückfinden lassen. Nicht zuletzt hat auch die wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit diesem Gesang dazu beigetragen, dass sie in neuer Frische lebendig erfahrbar ist. Deshalb scheint es mir sinnvoll, diesem Zugang nachzuspüren und zu versuchen eine Antwort zu geben auf die Frage „Was ist es um den Gregorianischen Choral?“

 

Ich nehme nicht ein Stück aus dem Repertoire, sondern bevorzuge den Ausgang von einem Bild, das sich zusammen mit einem Widmungsgedicht im Codex Hartker befindet. Diese alte Handschrift mit Gesängen zum Chorgebet entstand um 1000. Das von großer Ruhe, ja von großer Stille geprägte Bild zeigt die Szene einer Weitergabe, einer Mitteilung. In der linken Bildhälfte sitzt, ja thront, eine große Gestalt, die mit einem kreis-runden Nimbus versehen und in ein liturgisches Gewand gekleidet ist. Der Nimbus weist ihn als Heiligen, das Ypsilon auf dem in ruhigen Falten fallenden Gewand weist ihn als Wissenden, als Weisen aus, der in seinem Leben Entscheidungen für sich getroffen hat. Er hat das “Ohr seines Herzens” aufgemacht, er praktiziert “Ephpheta” (griechisch: “tu dich auf”). Auch seine Augen schauen weit nach innen, wollen weder etwas Bestimm-tes anschauen, noch jemanden fixieren, schon gar nicht als Sinne rezeptiv konsumieren. Die Augen hören mit den Ohren zusammen nach innen. Diese Gestalt ist im Geheimnis daheim.

 

Die Taube, die sich auf seiner rechten Schulter niedergelassen hat, ist die Quelle der In-”spiration”. Der Heilige Geist, der sich seit alters her für die Seele ins Bild der Taube fassen lässt, die ja als Vogelwesen der bewegten

Luft eines “Oben” angehört, bedarf dieser Haltung der nach innen gekehr-ten Stille, da ER sich sonst nicht verständlich machen kann. “Spiritus” meint ja sprachlich zunächst die Luftbewegung des Atems oder auch des Windes (vgl. 1 Kön. 19). Was die Taube an das Ohr weitergibt, das im Wirkungsbereich des Nimbus liegt, der ja immerhin 4 von 5 Sinnen erfasst, ist denn auch mehr als Nachricht oder Information, es ist offensichtlich eine Botschaft der Beziehung.

 

Nun gibt die konzentrierte, ruhig und gelassen thronende Gestalt erstaunlicherweise das Gehörte nicht mit dem Munde weiter, sondern mit einer der gehörten “Bewegung” adäquaten, doch schon etwas tieferliegenden, erdnäheren Handbewegung, die die ganze für sie freigehaltene Bildmitte in Anspruch nehmen darf: Das als Geheimnis Gehörte tritt ins offensichtlich Sichtbare. Die Hand, die in ihrer Bedeutungsgröße gezeigt wird und deren Form - parallel etwas nach schräg unten verschoben - an die Taube erinnert, bewegt sich vor einer Tür, deren Vorhang sich in Richtung der Weitergabe öffnet: Es geschieht “revelatio”, die Enthüllung eines gehörten Geheimnisses ins Sichtbare. Die rechte Hand unterstützt die Weitergabe der Botschaft, die dem Heiligen wohl sehr am Herzen liegt.

 

Auf diese Bewegung der linken Hand sind nun die Augen einer kleiner dargestellten Person gerichtet, die in der rechten Bildhälfte sitzt. Sie sitzt gekrümmt, angespannt und mit über Kreuz geschlagenen Beinen in einer Haltung, die für den gelassenen Weisen links unvorstellbar ist. Diese kleinere Gestalt sucht mit angestrengten Augen, für deren Aufnahmefähigkeit er - wie seine Haltung zeigt - offenbar sogar die Ohren benötigt, die sichtbar gewordenen Bewegungen auf einer eckigen Tafel (vgl. den runden Nimbus) möglichst exakt zu fixieren. Er versucht die “Quadratur des Kreises” mit einem Federkiel, der ja von einem Vogel stammt, und der im parallel schrägen Duktus von Taube und Hand noch weiter abwärts führt. Dieser Richtungsablauf von oben links nach unten rechts kommt in seiner linken Hand, die das Rechteck der Tafel festhält zum Tiefpunkt und zum Stillstand. Die Haken und die Kritzelzeichen, die auf dem Bild genau nicht entziffert werden können, sie sind das materielle, dingfestgemachte Substrat der Inspiration, ein Analoges zu dem in Druckerschwärze sich inkarnierenden Wortes.

 

Das hier Beschriebene vollzieht sich innerhalb einer Architektur, wir können sagen, es wird von Architektur be-”dacht”, von einer Kunst, die am Anfang der bildenden Künste steht, ja der Kultur überhaupt, das diese Kunst mit ihrem Bauen das elementare Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit befriedigt und damit eine Grundvoraussetzung für menschliche Gemeinschaft schafft. Ernst Bloch hat so einen Raum, in dem sich der Vorgang einer Beziehungsaufnahme ereignet, das wunderschöne Wort von der “gotischen Innenstube” geprägt.

 

Mit dem erreichten Tiefpunkt und der verfolgten Richtung der Weitergabe von links nach rechts ist die Bedeutung des Bildes allerdings nicht erschöpft. Jetzt schiebt sich im aktiven Zurückgehen des Weges unser En-”gage”-ment ins Spiel, denn was der Schreiber fixiert hat, ist uns über-kommen. Wir finden es in den frühesten Handschriften der liturgischen Gesänge, z. B. in dem Ausschnitt des Graduale “Tu es Deus” zum alten Sonntag Quinquagesima.

 

Die feinst ausdifferenzierten, mit subtiler Sorgfalt und liebevoller Hingabe über den Text gesetzten Zeichen aus einem offenbar großen Vorrat sind, in Bewegung zurückgeführt, das entscheidende Medium, um jene für den Sänger so bedeutungsvolle und offenbar von Erfahrung getränkte Antwort als Lob dem zu singen, von dem er das wichtige Wort des Lebens erhalten hat: “DU bist der Gott, der allein Wunderbares tut...”

 

 

Das also wäre die Aufgabe: Die uns überkommenen toten Zeichen des Schreibers zunächst wieder in einer Bewegung erstehen zu lassen, in einer Bewegung allerdings, die gesteuert wird von der Beziehung zu einem Geheimnis, das der Geist Gottes jedem in das Ohr seines Herzens als Einladung und als Zusage der Teilhabe an göttlichem, von keiner Zeit begrenzten Lebens zuspricht, die als Resonanz tönt, als Lobantwort auf das gehörte Wort des Lebens. Und so sehr der Text die persönliche Verfassung der lobenden Dankbarkeit eines Einzelnen artikuliert, so deutlich muss gemacht werden, dass es sich dabei nicht um ein individuell formuliertes Lob handelt, sondern um ein “vorformuliertes” des alttestamentlichen Psalters, der den Gläubigen als geoffenbartes Wort Gottes gilt.

 

Der Intensität der subjektiv angeeigneten Haltung der Dankbarkeit und der Freude über diese Beziehung, die Gott zum Menschen auftut, genügt aber das gesprochene Wort nicht, sie verlangt nach der der Liebesbeziehung adäquaten Form des Singens. Diese hat der Gregorianische Choral modellhaft ausgeprägt und mustergültig formuliert.

 

Wen die Frage umtreibt, was es um den Gregorianischen Choral ist, der wird mit ausschließlich historischen, wissenschaftlichen, semiologischen und liturgischen Fragen zu seinen Rändern, nicht jedoch zu seinem Kern vorstoßen, genauso wenig wie die Frage nach der Menge des verwendeten Goldes eine Antwort auf die Qualität der Ikone geben kann. Ihr Wert wird wesentlich vom persönlichen Bezug zu jenem Geheimnis geprägt, das der Gläubige für die Deutung seiner eigenen Bestimmung in der Ikone dargestellt sieht.

 

Den Gregorianischen Choral kann man nicht konsumieren. Er ist nicht die Vertonung eines theologischen Sachverhaltes, sondern gesungenes Gebet, also unter künstlerischem Horizont subjektive Aneignung desselben.

 

Er trifft sich hier mit der Bedeutung der Ikone, die auf bildnerischer Ebene dieselbe Aufgabe hat. Ohne eigenes inneres Engagement aber bleibt das Wesentliche verborgen. Die Gesänge des Chorals - das war mein Anliegen mit dieser Bildinterpretation - strahlen für diejenigen, die bereit sind, dieses Engagement zu investieren, eine große Ruhe aus, ohne innere Spannung einzubüßen. Es sind also Gesänge, welche jene Stille nicht unterbrechen, in der wir am besten auf Gottes Wort zu hören vermögen. Olivier Messiaen schreibt über ihn unter dem Titel „die liturgische Musik“: Es gibt nur eine Art: den Gregorianischen Choral. Er allein hat gleichzeitig die Reinheit, die Freude und die Leichtigkeit, die nötig sind für den Flug der Seele zur Wahrheit“.

 

(Wiedergabe mit freundlicher Erlaubnis des Autors, vgl. auch:

https://www.gregorianik.org/choral.htm)

 

 

Aus unserer Chronik:

 

       Von 12. bis 15. November folgte Schwester Teresa einer Einladung in die Abtei St. Hildegard, Eibingen. Mutter Dorothea und ihre Mitschwestern wollten gerne aus erster Hand von unserem Zukunftsprozess hören, von allem, was dem an Überlegungen vorausgegangen ist und was ihm nun als Konsequenz folgt. In einer Atmosphäre herzlicher Mitschwesterlichkeit war dies gut möglich. Und zugleich empfing Schwester Teresa vielfältige Ein-drücke in der Abtei oberhalb von Rüdesheim, von dem im Vergleich zu uns mit 45 Mitgliedern großen Konvent, seinen zahlreichen Aufgaben und Betrieben, von der Hildegardforschung angefangen, über den großen Klosterladen bis hin zu Weingut und Restaurierungswerkstatt.

 

        An einer Informationsveranstaltung für die ca. zehn „Betriebe“, in denen Bewohner von Haus Maria Rast (Soziotherapeutische Einrichtung) tätig sind, nahm am Abend des 20.11.  Schwester Veronika teil. Wir sind sehr dankbar, dass „unsere Nachbarn“ uns bei vielfältigen Arbeiten helfen. Im Garten, bei der Pflege des Friedhofs und nicht zuletzt beim Knacken ungezählter Walnüsse werden wir seit Monaten jeden Vormittag von treuen Helfern unterstützt. In den Wintermonaten begannen sie, unsere Bibliothek für den „Umzug“ zu rüsten. Diese hat ja zwei Räume im Gründungsbau, eine repräsentative große Präsenz-Bibliothek und einen Magazin-Raum. Letzterer wird – sobald die Renovierung und Umgestaltung von Bau-abschnitt II beginnt – wegfallen. So haben unsere fleißigen Helfer nun alles, was einmal den künftigen Bewohnern des ‘Parkwohnstiftes Tettenweis‘ zur Verfügung stehen soll (vor allem die Belletristik) in der Präsenz-Bibliothek aufgestellt, und dafür das, was wir gerne in unseren zukünftigen Bereich mitnehmen möchten, dort herausgenommen. Für diese große Hilfe sind wir sehr dankbar; alleine hätten wir das nicht geschafft!

 

        Schwester Bonaventuras Schwester, Frau Margot Skotzki, wurde in der Nacht von 21. auf 22.11. im Alter von 83 Jahren in Bad König von Gott heimgerufen. R.i.p.!

 

        Am 22.11. fand eine erste sog. Gesellschafter-Versammlung bei uns statt. Wir haben ja die Trägerschaft des Kindergartens zum 1.1.2019 an die Hans Lindner Stiftung abgegeben. Um einen möglichst sanften Übergang zu gewährleisten, wurde seinerzeit ein Gesellschafts- und Kooperations-Vertrag geschlossen, mit dem die Gründung der ‘Kindergarten St. Gertrud GbR‘ einherging. Wir behalten damit einen gewissen Einfluss auf die Fortent-wicklung dieser Einrichtung, die ja immerhin mehr als 90 Jahre lang die unsere war. Schwester Teresa vertritt uns im Rahmen der neuen Kon-stellation und geht auch werktäglich als „Postbotin“ in den Kindergarten.

 

        Die diesjährige AGOP-Mitgliederversammlung fand am 29.11. wie üblich in Passau statt. Nach dem geistlichen Einstieg, den der neue Ordens-referent Dr. Franz Haringer besorgte, folgten die üblichen Formalia. Und dann wurden alle Ordensleute – Bischof Stephan war inzwischen zu der Runde gestoßen – eingeladen, sich unter Anleitung von Herrn Gerhard Richter (Beratungsfirma Xpand) mit „Führungswerten“ zu befassen. Das Bistum erarbeitet derzeit eine Handreichung für alle mit Personalführung befassten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dazu gilt es in einem ersten Schritt, sich auf einen Kanon von Werten zu verständigen, mit deren Hilfe bzw. auf die hin christliche Menschen-Führung erfolgen soll. Zum Entwurf durften wir nun unsere Gedanken beisteuern.

 

        Schwester Paula besuchte im Haus Spectrum Kirche von 29.11. bis 1. Dezember den Kurs „Christliche Kontemplation“ bei Univ.-Prof. Dr. Ludger Schwienhorst-Schönberger. Dieser hatte beim letzten Studientag der AGOP über „Mystik im Alltag – Leben in Gottes Gegenwart“ gesprochen (vgl. Dezember ‘19-Bote). Dabei wies er auch auf sein Kurs-Angebot hin. Zwar leben wir hier in einer kontemplativen Gemeinschaft, sodass für Schwester Paula inhaltlich nichts neu war, aber Wiederholung und Konzentration können der Vertiefung dienen und einen darin bestärken, den einmal eingeschlagenen Weg mit Entschiedenheit weiterzugehen.

 

        Am 30.11. durfte Schwester Veronika an einer Fortbildung für geistliche Begleiterinnen teilnehmen, ebenfalls im Haus Spectrum Kirche. Die Veranstalter (Referat für Exerzitien und Spiritualität) hatten diesmal den Fokus auf geistlichen Missbrauch gelegt. Was vor Jahren noch gar kein Thema war, wird heute mit erhöhter Aufmerksamkeit und Sensibilität betrachtet, sodass man sich nun darum bemüht, jede Form von Beein-flussung oder gar Manipulation im Rahmen der geistlichen Begleitung zu vermeiden.

 

        Am 2. Dezember gab uns Mutter Bernarda das Schriftwort „Die Freude an Gott ist unsere Zuflucht“ (Neh 8,10) mit auf den Weg in das neue Kirchenjahr.

 

        Eine letzte AGOP-Vorstandssitzung im zu Ende gehenden Jahr fand am 10.12. im Pfarrhof bei Pater Augustinus statt. Die Vorstands-Mitglieder – unter ihnen Schwester Veronika – nahmen dabei die Planung für Veran-staltungen im Jahr 2020 vor.

 

        Mutter Bernardas Weihetag feierten wir wie gewohnt am Sonntag Gaudete, dem 3. Advent. Naheliegend war es da, sich einmal mit dem Thema Freude zu beschäftigen. Dazu hatte jede von uns drei Karten vorbe-reitet, versehen mit je einer Bibel- oder Regelstelle, einem Gedicht, einem Bild oder einem Sprichwort. Und daraus entstand dann - reihum vorgetragen und in die Mitte gelegt - ein ganzes Mosaik der Freude! Zu unserem eigenen Erstaunen war nicht ein einziger Beitrag doppelt, sodass wir damit schließlich nicht nur unserer Äbtissin, sondern uns allen Freude machten und es sich einmal mehr bewahrheitete: geteilte Freude ist doppelte Freude!

 

        Das Fest der Geburt unseres Herrn und Erlösers konnten wir dankbar und friedvoll feiern.

 

        Die Ruhe der Tage „zwischen den Jahren“ nutzte Ehepaar Lindner sen., um sich ein Bild vom Baufortschritt zu machen. Dabei kam es natürlich auch zu einer kleinen Begegnung mit uns Schwestern bei Kaffee und Gebäck. Das war sehr zwanglos, sehr angenehm. Und wir können einmal mehr feststellen: Was gibt es doch für bemerkenswerte Menschen, die mit ihren Möglich-keiten viel Gutes tun!

 

        Am selben Tag traf Frater Gregor Baumhof OSB (Haus für Grego-rianik) aus München zu einem knapp einwöchigen Besuch bei seinem  Mitbruder Pater Augustinus hier in Tettenweis ein. Er wohnte bei ihm im Pfarrhof, nahm aber an unserer Gebets- und Tischgemeinschaft teil. Darüber freuten wir uns sehr, unterstützte er doch unseren Choral ganz erheblich. Und obendrein beschenkte er uns täglich mit einer geistlichen Ausdeutung des Gesangs zum Einzug in der Heiligen Messe!

 

        Am Fest der Heiligen Familie waren es dann fünf BewohnerInnen des Hauses Maria Rast, also unsere Nachbarn aus der Soziotherapeutischen Wohnstätte, die bei uns im Sprechzimmer einen Weihnachts-Sketch zur Aufführung brachten! Phantasievoll verkleidet wurden nacheinander Weihnachts-Fee, Rentier und Weihnachtsmann zum Verhör vorgeladen – das aber einen ganz positiven Ausgang nahm!

 

        Um die Ursache einer gesundheitlichen Beeinträchtigung zu finden, musste Schwester Michaela um den Jahreswechsel herum gleich zwei Mal ins Krankenhaus nach Passau (25. – 29.12. und 31.12. – 8.1.). Seither wird sie wieder in der gewohnten Weise von unseren Krankenschwestern gepflegt, mit Unterstützung durch die Sozialstation und einen Betreuungs-dienst.

 

        Nach Neujahr machten uns nicht nur die Sternsinger der Gemeinde Tettenweis ihre Aufwartung, wir empfingen auch hohen Besuch aus dem „Neustifter Land“: Gleich fünf Königinnen aus dem nicht ganz so weit entfernten Kloster Neustift, ausgerüstet nicht nur mit Stern und Weihrauchfass, sondern auch mit Gitarre, Liedblättern und Geschenk besuchten unsere Krippe – und natürlich auch uns! Und sie luden uns ein, mit ihnen am 21.1. eine Krippenausstellung in Regen zu besuchen.

 

        Bereits am Tag nach Epiphanie machte sich der Pfarrvikar unseres Pfarrverbandes, Pater Clement Rockey, auf die Reise in sein Heimatland Indien, begleitet von Pater Augustinus und mehreren weiteren Gläubigen. Während seiner vierzehntägigen Abwesenheit wurde unser Spiritual dankenswerter Weise vertreten von Msgr. Georg Holzschuh aus Forchheim. Und dies verhalf uns zu dem nächsten interessanten Gast, einem ehemaligen Pfarrkind von Pfarrer Holzschuh aus Kronach: Abt Maximilian Heim O.Cist! Zusammen mit Frater Lazarus war er auf der Durchreise, nahm sich aber genügend Zeit, um hier Mittagessen zu können und anschließend mit uns in einer zwanglosen Runde bei Kaffee und Kuchen von seinem Heimatkloster, der Abtei Heiligenkreuz zu erzählen. Wir erfuhren einiges über die Hintergründe der erstaunlichen Entwicklung, die dieses Zisterzienserkloster in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten durchlaufen hat, über seine Spiritualität, die Hochschule, die Jugendarbeit. So etwas ist sicher nicht zu kopieren, stimmt aber dankbar und macht Mut für die Zukunft.

 

        Unser Hausarzt Dr. med. Adolf Busse gab die Verantwortung für seine Praxis hier in Tettenweis am 31.12. vorigen Jahres an seine Tochter ab. Damit vollendete er genau 40 Jahre selbstständiger Tätigkeit als Allgemein-mediziner. Da er von Anfang an auch unsere Gemeinschaft ärztlich betreute, nahmen wir dies zum Anlass, ihn und seine Frau einzuladen und am 15.1. bei uns zu begrüßen. In lockerer Runde dankten wir ihm ganz herzlich für seinen Einsatz all die Jahre, für sein echtes Interesse, seine treffsichere Diagnostik, und das alles bei steter Freundlichkeit und mit Humor! Seine Tochter sorgt dafür, dass wir auch in Zukunft gut betreut werden, und da Herr Dr. Busse ihr als „Angestellter“ weiterhin zur Seite steht, geht er uns auch nicht ganz verloren. Ihm und der ganzen Familie wünschen wir Gottes Segen!

 

        Von 16. bis 21.1. musste sich Schwester Andrea in die Rheuma-Klinik Bad Füssing begeben. Eingehende Untersuchungen und eine medikamentöse Neueinstellung waren hilfreich für sie.

 

        Die freundliche Einladung der Neustifter Schwestern, sich ihrem Besuch einer Krippenausstellung anzuschließen, nahmen Mutter Bernarda und Schwester Paula gerne an. Von Neustift aus ging es per Bus nach Regen, wo im Landwirtschafts-Museum eine Sonderausstellung eingerichtet worden war. Zahlreiche Exponate rarer böhmischer Papierkrippen aus der Sammlung von Herrn Benno Hofbrückl, der auch selber die Führung hielt, waren dort zu bestaunen. Papierkrippen sind die Arme-Leut-Krippen vergangener Zeiten und faszinieren besonders durch ihren Detailreichtum!

 

 

 

Liebe Angehörige, liebe Vereinsmitglieder, Wohltäter und Freunde unserer Abtei, liebe Schwestern und Brüder,

 

mit Beginn der Umbau-Arbeiten vor fast zwei Jahren verstummte unsere kleine Glocke unterm Dach. Es war Herrn Lindners schöne Idee, sie von ihrem alten Platz auf den Turm zu versetzen. Dafür wurde eigens ein neuer Dachstuhl angefertigt, der mitsamt der von Firma Perner gereinigten Glocke am 29. Januar per Kran auf den Turm gehoben wurde!

 

In unserer Chronik ist unter 22. April 1947 verzeichnet: „Herr Ruhmann von Regensburg brachte die 1. Glocke „in spe“. Diese wurde im Roten Gang aufgestellt und in großer Freude wie ein 8. Weltwunder bestaunt. Unsere  findige Frau Juliana hatte aus Gerümpel Metall zusammengesucht und an die Firma Hamm gesandt. Glockeninschrift: SANCTA MARIA / PATRONA DE TETTENWEIS / ORA  PRO NOBIS! / ZUM DANK FÜR WUNDERBAREN / SCHUTZ U. ALLE HILFE. Bild: Patrona Bavariae. C. HAMM, RATISB. ME FUDIT MCMXLVI.“  Das heißt 1946 wurde die Glocke gegossen, sie wird also im nächsten Jahr 75 Jahre alt.

 

Viele haben das Läuten zu den verschiedenen Gebetszeiten schon vermisst. Wir freuen uns sehr, wenn die Glocke uns wieder durch den Tag begleitet und uns daran erinnert, dass es Zeit ist, Gott zu suchen und ihn zu preisen. Lange haben sich Christen gegen Glocken gesträubt. Erst mit den irischen Wandermönchen (ab dem 5. Jh.) kam dann der Brauch zu den Gottesdiensten zu läuten auf, zuerst in den Klöstern und ab dem 8. Jh. auch in den Domen und großen Kirchen.

 

Wir wünschen Ihnen allen eine gesegnete Vorbereitungszeit auf Ostern und dann ein frohes Osterfest, verbunden mit einem tiefen Dank für Ihr Mitgehen, sich Mitfreuen und Mitbeten.          

 

Mit dankbaren herzlichen Grüßen,  

 

Ihre

 

M. Bernarda Schmidt OSB

Äbtissin